Backstage bei Schweizer Onlineplattformen

Erkenntnisse aus Gesprächen mit 10 Schweizer Plattformanbietern

Onlineplattformen haben sich als erfolgreiches Geschäftsmodell in allen Branchen durchgesetzt. Möchte ich eine neue berufliche Herausforderung, gehe ich auf eine Jobplattform. Suche ich ein neues Zuhause, gehe ich auf eine Immobilienplattform. Buche ich meinen nächsten Flug, gehe ich auf eine Reiseplattform. Möchte ich die alltäglichen Dinge beschaffen, stehen mir eine Unmenge von Tausch, Handel und Dienstleitungsplattformen zu Verfügung. Diese Plattformen vernetzen Partner und Kunden und unterstützen sie bei der Abwicklung der Geschäfte. Viele Geschäftsmodelle von heute etablierten Unternehmen und aufkommenden Startups in allen Branchen basieren auf dieser Idee.

Als XIAG möchten wir wissen, wie das technische Setup erfolgreicher Plattformbetreiber aussieht:

  • Welche Technologien werden genutzt?
  • Werden Standardlösungen eingesetzt?
  • Werden die Plattformen intern, extern, in der Schweiz oder im Ausland gebaut?

Dafür haben wir mit 10 etablierten Plattformen aus verschiedenen Branchen (Immobilien, Handel, Jobs, Kredite, Vermittlung) Gespräche geführt.


2019 – Alles Standardlösungen?


Eine Onlineplattform kann individuell programmiert werden oder mit Hilfe einer Standardlösung (z.B. ein CRM oder Content Management System) konfiguriert und entwickelt werden. 9 der 10 befragten Unternehmen setzen komplett auf Individualentwicklung. Wir haben gefragt «Warum?» Hier die Antworten:

  1. «Die Anforderungen der Plattform und das Geschäftsmodell sind zu spezifisch, als dass sie mit einer Standardlösung abgebildet werden können. Hier spielen zum Beispiel regionale oder gar kantonale Eigenheiten eine Rolle.»
  2. «Ein Grossteil des Wertes (Value Proposition) des Unternehmens liegt in der Plattform. Wir möchten uns von der Konkurrenz abheben und individuelle Lösungsansätze angehen. Dies ist mit Standardlösungen nicht möglich.»

Nur ein Unternehmen setzte in den ersten fünf Jahren während dem Aufbau auf Standardlösungen (Drupal, Salesforce). Dies sei nötig gewesen, um kostengünstig die Plattform am Markt mit einem MVP zu testen. Heute werde die Plattform Stück für Stück auf eine Individualentwicklung migriert.

Technologie Chart:


Interne Entwicklung oder Partnerschaft?


Die Hälfte der befragten Unternehmen entwickeln ihre Plattform selbst, während die andere Hälfte auf externe Partner setzt. Auch hier haben wir gefragt: «Warum?» und: «Warum nicht anders?». Hier die Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnissen:

  • Erfahrung in Softwareentwicklung
    In den Gesprächen wurde deutlich: Wenn ein Gründungsmitglied selbst aus der Softwareentwicklung kommt, wird tendenziell eine eigene, interne Entwicklung angestrebt. Wenn die Gründer keine Erfahrung in der Softwareentwicklung haben, wird ein Partner gesucht.
     
  • Geschwindigkeit
    Gute Softwareentwickler sind Mangelware – nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit. Ein schlagkräftiges Team aufzubauen braucht Zeit. Wer schnell viel erreichen will, tendiert deshalb eher zu Partnerfirmen mit entsprechender Teamstärke. Externe Ressourcen zu skalieren sei schneller und besser möglich als bei internen Mitarbeitern.
     
  • Strategische Gründe
    «Die Plattform ist der Kern unseres Unternehmens und soll deshalb intern entwickelt werden» ist ein gutes Argument für die interne Entwicklung im Unternehmen. Auf dieses Argument angesprochen, erwiderten Unternehmen mit Partnern wie folgt: «Die Rechte an der Plattform und die Möglichkeiten zur Weiterentwicklung sind vertraglich geregelt. Ich sehe hier kein Problem».
     
  • Spezialisierung und Professionalisierung
    Unsere Gesprächspartner haben Entwicklungsteams (intern oder extern) von 2-15 Entwicklern. Als ein Problem von interner Entwicklung wurde genannt, dass es nicht möglich sei, in kleinen Teams dedizierte Designer, Systemadministratoren und Programmierer zu beschäftigen. Partnerfirmen mit grösseren, gemischten Teams hätten einen Vorteil.


Swiss made software?

Nur zwei der interviewten Unternehmen entwickeln ihre Plattform komplett in der Schweiz. Alle anderen setzen entweder komplett oder teilweise auf Nearshoring Teams in Serbien, Deutschland, Russland oder Ukraine. Für die Auslagerung werden verschiedene Gründe angegeben. Während einige Unternehmen klar das bessere Kostenverhältnis angeben, meinen andere: «Kosten sind selten ein Thema. Der zusätzliche Kommunikationsaufwand gleicht sich mit den niedrigen Lohnkosten in etwa aus. Aber es ist schlicht zu schwierig, genug gute Spezialisten in der Schweiz zu finden.»

Und warum setzen zwei Unternehmen komplett auf Swiss made software? «Eigentlich würden wir gerne kostengünstigere Varianten prüfen», war die Antwort, «aber wir sind mit unserem Schweizer Partner sehr zufrieden und das Risiko eines Wechsels ist zu gross».

Ebenfalls interessant zum Thema Onlineplattformen: Lesen Sie die Erfolgsgeschichten der Unternehmer Markus Brüniger und Henrik Jasik, die mit den Onlineplattformen HOGASHOP, respektive Ostjob die Schweiz bewegen:

Geschichte von HOGASHOP Geschichte von Ostjob

Publiziert am 8. August, 2019

Lukas Kölbener

Lukas hat einen Background als Software Entwickler und unterstützt heute als Projektleiter zwei Kunden, die beide erfolgreich mit Onlineplattformen zu Marktführer in Ihrem Gebiet geworden sind.

Dieser Artikel ist noch nicht genug für Sie?

Gerne vertiefen wir das Thema Onlineplattformen im direkten Gespräch weiter. Sie erreichen uns per Telefon: 043 / 255 30 90, via E-Mail: office@xiag.ch oder mit unten stehendem Kontaktformular.